Immer wieder tauchen merkwürdige Meldungen in den Medien auf.

Gestern Abend wurde ich, als Berufskraftfahrer, gefragt, warum das automatische Bremssystem des Tat-LKWs nicht schon beim ersten Anschlags-Opfer gebremst hätte.

Nun, ich bin zwar nicht auf dem neuesten Stand, aber, LKWs haben kein automatisches Bremssystem.

Zumindest kein System, wie es heute in verschiedenen PKWs eingebaut wird.

Dabei handelt es sich eigentlich um zwei kombinierte Systeme.

Ein Abstandswarner und die Bremsanlage.

Der Abstandswarner kontrolliert dauernd, ob sich ein Objekt vor oder hinter dem KFZ befindet und mißt den Abstand zu diesem Objekt.

Wird ein vorgegebener Abstand unterschritten, wird dieses dem Boardcomputer gemeldet und dieser leitet eine Vollbremsung ein.

Gerade bei Geländefahrzeugen und Anhängern mit Auflaufbremse ist dieses System bei LKWs, aber auch bei PKWs noch Umstritten.

Bei einer abrupten Bremsung des Zugfahrzeuges, besonders beim Rangieren auf beengtem Raum, läuft der Anhänger solange nach, bis er den Wiederstand der Auflaufvorrichtung überwindet. Dadurch wird bei dem Anhänger ebenfalls eine Vollbremsung eingeleitet.

Durch die blockierten Räder ist es nun unmöglich, rückwärts zu fahren.
Die Auflaufvorrichtung verhindert sogar das Abkuppeln des Anhängers.

LKWs haben ein anderes Bremssystem.

PKWs und LKWs haben an jedem Rad einen Radbremszylinder.

Bei LKWs heißen die Federspeicher-Bremszylinder und dieses werden mit Druckluft betrieben.

lkw-bremse

Es gibt zwei Systeme.

Bei System 1 wird, bei Betätigen des Bremspedals, über ein Ventil der Vorratsdruck aus dem Bremszylinder abgelassen, wodurch die Federkraft das Bremsgestänge herausdrückt.
Löst der Fahrer die Bremse, wird über das Ventil wieder der volle Betriebsdruck in die Kammer geblasen und die Feder gespannt.
Dadurch lösen sich die Bremsbacken und die Räder rollen wieder.

System 2 hat zwei Druckkammern. Hier wird, bei Betätigen des Bremspedals, über ein Ventil Druckluft in die rechte Kammer geführt und die Bremsung wird eingeleitet.
Hier ist die linke Kammer, über a, direkt mit dem Druckluftbehälter verbunden.
Über das Bremspedal-Ventil wird Druckluft in den Anschluß b der rechten Kammer eingeleitet um dadurch das Bremsgestänge auszufahren.
Löst der Fahrer die Bremse, wird die Druckluft abgelassen und die Bremse gelöst.

Beide Systeme haben aber eines gemeinsam.

Hat der Druckluftbehälter an LKW oder Anhänger keinen, oder zu wenig Druck, blockieren die Bremsen und die Fahrzeuge können nicht bewegt werden.

Mit der Zeit sammelt sich Wasser in den Vorratsbehältern. Dieses muß der Fahrer mittels Ablaßventilen, unten an den Druckbehältern, ablassen. Dadurch kann der Luftdruck soweit abfallen, daß die Bremsen nicht mehr Öffnen. Er muß den Motor laufen lassen und warten, bis der Normaldruck wieder aufgebaut wurde.

Andererseits kann der Druck durch undichte Stellen im System abfallen. Der Fahrer muß dieses prüfen und vor Fahrtantritt beseitigen.

Bei dem Tat-LKW war genau das der Fall.

Reine Straßenfahrzeuge haben keinen speziellen Schutz gegen Beschädigungen wie Fahrzeuge, welche z.B. im Straßenbau usw. eingesetzt werden.

Sie liegen tiefer auf der Fahrbahn.

Dadurch kann die Druckluftanlage eher beschädigt werden.

Beim Durchfahren des Marktstandes hat irgendein Teil des Standes die Anlage beschädigt. Dadurch kam es zum Druckabfall in der Anlage und es wurde eine Vollbremsung ausgelöst.

Es war also keine automatische Bremseinrichtung im Spiel, sondern eine seit Jahrzehnten bewährte Technik, welche das Wegrollen eines Fahrzeuges verhindern soll, wenn die Luftversorgung der Druckluftanlage nicht mehr gewährleistet ist.

Auch der Tat-LKW mußte erst, durch den Abschleppwagen, mit “Fremdluft” versorgt werden, bevor er abgeschleppt werden konnte.

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