Eine geschichtliche Klarstellung zur ehemaligen Abtei Altenberg bei Odenthal.

Copyright im März 2013 by Graf von Diepelrath

Auch wenn es in den Medien anders berichtet wird,

Alte Klostermauer 1

diese Mauer aus Bruchstein hat nichts mit der Burg Alten-Berge zu tun.
Jedenfalls nicht im direkten Sinne.

Alte Klostermauer 2

Die Mauer wurde, aus hier aufgefundenen Steinen, neu errichtet und stellt ein Stück der alten Umfassungsmauer des Klosters dar, welche hier einmal stand.

Der weitaus größte Teil der Steine ist durch Raubbau verschwunden. Offiziell heißt es, das sich die Bewohner der Gegend einfach bedienten, um die Steine für sich zu verwenden.
Andere Steine sind beim Bau der Umgehungsstraße verschwunden.

Auch wird geschrieben, das die Mönche, die Steine der alten Burg Alten-Berge abgetragen haben, um den Dom zu bauen.

Das ist ebenfalls ein Märchen !

Viele Schreiberlinge, besonders im Internet, haben irgendwo gelesen, dass die Mönche, die alte Burg abgebrochen und die Steine für den Bau des Klosters verwendet haben.

Diese Tatsache, haben sie benutzt, um auch den Dom aus Bruchsteinen zu errichten.

Der Bergische Dom wurde, aus den gleichen Steinen erbaut, wie der Kölner Dom.

Aus Granit und Sandstein.
Granit und Sandstein gibt es hier aber nicht.

Wer einmal in Altenberg war, oder hinfährt, wird sehen, das ich Recht habe.

Die mehr oder weniger kleinen Steine wurden für die ersten, kleineren, Gebäude verwendet.

1133_Altenberg

Auf diesem Stich, von 1707, sieht man, wie das Kloster damals ausgesehen hat.

Graf Adolf III. von Berg hat die alte Burg im Jahre 1133 an die Zisterzienser übergeben.
Diese wohnten zunächst auf der Burg und fingen an, diese nach ihren Wünschen umzubauen.

Irgendwann merkten sie aber, das der Bauplatz nicht den Regeln ihres Ordens entsprach, weil sie nur Geflügel, Fisch, und Pflanzliche Nahrung wie Gemüse, Obst und Korn essen durften.

Daher fingen sie an, im Tal, an der Dhünn, einen neuen Bauplatz anzulegen. Ob dies mit Hilfe eines Esels geschah, welcher den Bauplatz auswählte? Vielleicht ja. Vielleicht ist es auch nur eine schöne Legende.

Dort, im weiten Tal, hatten sie jedenfalls ausreichend frisches Wasser für die Fischzucht und gesunden, fruchtbaren Boden.

Für den Bau der Gebäude usw. trugen sie, nach und nach, die Burg ab.
Dies hat sicher einige Jahre gedauert.

Ob zuerst die Unterkünfte oder die, erste, Abteikirche gebaut wurde, bleibt im dunkel der Geschichte verborgen.

Wenn man logisch an die Sache herangeht, wohnten die Mönche so lange wie möglich auf der (alten Baustelle) Burg, trugen nicht benötigtes Bauwerk ab, bauten damit die Unterkünfte auf der neuen Baustelle auf und zogen dann um.

Dies hatte für die Mönche einen großen Vorteil.
Nach ihren Regeln müssen sie immer zusammen essen und beten. Dies war am einfachsten, wenn sie zusammen lebten.

Nachdem man also zunächst die Unterkünfte geschaffen hatte, fing man mit dem Bau der ersten Abteikirche an.

Mit der Zeit wuchs das Kloster und die Mönche benötigten mehr Baumaterial.
Dadurch entstanden die Steinbrüche in der Umgebung.

So lebten die Mönche viele Jahre. Verbrachten die Zeit mit Arbeit und Gebet.
Irgendwann wurde der Bau einer neuen, größeren Kirche geplant.
Das Kloster war bereits weithin bekannt und berühmt.
Das Vorhaben wurde nicht nur von den Grafen von Berg und dem Kölner Bischof unterstützt. Viele boten ihre Hilfe in Form von Geld und Arbeit an. Dies führte wohl dann zu dem uns heute bekannten Bau.

Der Bau der neuen Abteikirche, des Bergischen Domes, war aber nicht mal "eben so" erledigt.

Man benötigte Unterkünfte für die Arbeiter.
Man benötigte viel Holz, die großen Steine mussten herangeschafft und verbaut werden.

Um die neue Kirche zu bauen, musste die Alte abgetragen werden.
Ich vermute daher, das deshalb, im Jahre 1230, mit dem Bau der Markuskapelle begonnen wurde um weiterhin einen Gottesdienst abhalten zu können.

Belegt ist, das Graf Adolf IV., am 3. März 1259, den Grundstein für die neue Abteikirche legte.
Der Bau dauerte 150 Jahre.

In der Folgezeit wurden immer wieder Um- und Neubauten getätigt.
Eingangstor, Küchenhof,  Orangerie, Wirtschaftshof mit der Markuskapelle und natürlich der Dom, sind wohl die ältesten, erhaltenen Gebäude der Abtei.

1792 wurde wieder ein Habsburger zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt.
Ebenfalls in dieses Jahr fällt die Kriegserklärung Napoleon an den neuen Kaiser Franz II.
Dieser, 1. Koalitionskrieg, dauerte bis 1797 und Franz II. verlor die von Österreich annektierten Niederlande.
Im 2. Koalitionskrieg von, 1799 bis 1801, verlor Österreich die linksrheinischen Gebiete an Frankreich.

So kam es, das Franz II. die Fürsten für die verlorenen Länder entschädigen musste.

Franz II. handelte nach einem alten Motto.
Woher nehmen, wenn nicht stehlen.
Er war Österreicher und Österreich sollte stark bleiben. Sowohl finanziell als auch Materiell.
Die Fürsten aus österreichischem Hab und Gut zu entschädigen viel also aus.
Den Fürsten aus dem Rest Deutschlands konnte er auch nichts nehmen. Diese hätten ihm die weitere Gefolgschaft verweigert.
So kam es zur Zwangsenteignung (Säkularisation) gegenüber der Kirche.

Zunächst ging das Kloster an Maximilian Joseph, König von Bayern.
Dieser verkaufte das Kloster, 1806, an Johann Heinrich Pleunissen, einen Kölner Weinhändler.

Dieser vermietete das Gelände und es wurde eine Lackfabrik eingerichtet.

Diese explodierte im November 1815.

Die Fabrik wurde aufgegeben und die Gebäude verfielen immer mehr und Steine wurden weggeschafft.

Altenberg_1801_2

Diese napoleonische Karte wurde 1801 von Jean Joseph Tranchot gezeichnet und wurde später unter Karl von Müffling, von den Preußen fortgeführt. Wann diese Kopie entstand ist nicht bekannt. Müffling ist 1847 aus dem Militär ausgeschieden.

altenberg_ruine_gerhard_1834

Diese Zeichnung, von Gerhard, entstand 1834 wohl im Auftrag des neuen Eigentümers, und zeigt die inzwischen vorhandenen Schäden.
Die Ruinen sind teilweise schon überwachsen.

1834 ließ der neue Eigentümer, Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim, arbeiten zum Absichern des Bestandes durchführen.
Als man eine Übersicht hatte, stellte man fest, das die Kosten nicht aufzubringen waren.
Daher schenkte er die ganze Anlage dem Staat Preussen.

Friedrich Wilhelm III. erklärte sich bereit, die Kosten zu übernehmen, wenn der Dom auch für die evangelischen Bürger genutzt werden würde.

Dieses wurde vom Bistum Köln bestätigt und die Arbeiten begannen 1894.

Allerdings konnten sich die Katholischen und Evangelischen nicht einigen, wer wann den Dom benutzen konnte.

Am 15. September erließ Friedrich Wilhelm IV. daher eine entsprechende Order.

Der erste evangelische Gottesdienst fand am 13. August 1857 statt.

Die Restaurierungsarbeiten dauerten bis 1912.
Weitere Arbeiten wurden in den 1960er Jahren durchgeführt.

Seit 2012 wird wieder gebaut.

Bei den vorhergehenden archäologischen Arbeiten wurden, neben alten Mauern, auch ein Kopf ohne Skelett und ein Skelett ohne Unterleib gefunden. Die Funde sollen über 300 Jahre alt sein.

1985

1985_Altenberg

2013
Bergischer_Dom_2013_2

Und hier noch eine kleine Animation.
Altenberg_Landkarte_2013_klein

Vergleich 1801 und 2013

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